Berlin Marathon – mein erster Marathon

Am letzten Sonntag war es nun endlich soweit – ich bin meinen ersten Marathon gelaufen und habe gefinished.

Aber jetzt erstmal von vorne:

Nach dem Triisland Mitte August bin ich ins Marathontraining eingestiegen. Ab diesem Zeitpunkt waren es noch 6 Wochen, um mich effektiv auf den Marathon vorzubereiten. Die Grundlagenausdauer war ja im sechsmonatigen Triathlontraining schon gelegt. Von da ab folgten vor allem Intervalle und ganz lange Läufe. Den Plan dazu habe ich der Berlin Marathon Homepage entnommen und an meine individuellen Bedürfnisse und zwischenzeitlich noch anstehenden Wettkämpfe angepasst.  (Zu den einzelnen Wettkämpfen berichtete ich ja bereits und zur Trainingsplanung allgemein werde ich demnächst einen separaten Beitrag schreiben)

Am Wochenende stand nun der lang ersehnte  Lauf an, der uns (meine zwei Trainingspartnerinnen und mich) die letzten Wochen täglich beschäftigte. Am Samstag früh fuhr ich mit dem Fernbus nach Berlin. Dort angekommen bin ich erstmal direkt zum Flughafen Tempelhof, um meine Startunterlagen abzuholen, denn ohne Startnummer wäre ja alles umsonst gewesen. Die Messe war voller aufgeregter Läufer und Supporter und es war ein riesiges Gewusel. Wie bei einem Konzert eines Teenie-stars bildeten sich ewig lange Schlangen vor der Startnummernausgabe. Mit allen wichtigen Unterlagen versorgt und froh, die erste Hürde geschafft zu haben, genehmigte ich mir erstmal ein alkoholfreies isotonisches Sportgetränk und wartete in der Lounge auf meine Teamkolleginnen. Glücklich vereint, ausgerüstet mit Nummern, Zeitmessungschips, Energieriegel und Salztabletten verließen wir die Messe und machten uns auf nach Hause. Nachmittags folgte dann noch ein kurzes (2km) lockeres Einlaufen und Beine lockern, bevor wir uns zur privaten Pastaparty bei Freunden aufmachten.

Sonntagmorgen war also der große Tag gekommen. Die Nacht war unruhig, weil ich nur stundenweise schlafen konnte, immer mit der Angst zu verschlafen. 06:30 Uhr klingelte der Wecker. Ein kurzer Blick auf Facebook verriet mir, dass ein paar Verrückte auch nicht so gut schlafen konnten und bereits Bilder vom Sonnenaufgang am Startbereich posteten. Nach einem sättigendem Frühstück bestehend aus Haferbrei, Banane und natürlich dem ultimativen Matcha-Booster machte ich mich auf den Weg. Wie eine Völkerwanderung pilgerten unzählige Läufer zum Eingang des Start- und Zielbereichs, die Sonne schien und es versprach ein schöner Tag zu werden. Dann wurde es langsam hektisch. Jacke an oder aus; Schuhe nochmal binden; am Dixi-Klo anstellen; noch nen Schluck vom Sportgetränk; Gürtel mit Gels und Salztabletten füllen; mit Handy laufen oder ohne; endgültig alles in den Startbeutel packen; Startbeutel abgeben; Pre-Race-Selfie vor dem Reichstag; weiter wandern zum Startblock; ah – nochmal Pipi bevor es los geht; Startblock gefunden – puh, war das schon anstrengend! Kurz vor 09:00 Uhr quetschten wir uns in den Startblock H. Dieser befand sich ganz hinten vom Startfeld, denn dort mussten alle starten, die noch nie einen Marathon gelaufen sind. Wie in einer Sardinenbüchse standen wir und erwarteten sehnsüchtig den Startschuss. Dieser fiel zwar gleich, aber nur für den ersten Startblock. Die nachfolgenden starteten in 5 minütigen Abständen, was für uns hieß, dass wir die gefühlt ewig herumstanden, um noch nervöser zu werden, bis wir sich endlich gegen 09:30 Uhr auch unser Block langsam in Bewegung setzte. Der Moderator bezeichnete uns als „Powerwalker“ – die Bezeichnung hat eine leichte Aggression in mir ausgelöst und am liebsten wäre ich sofort los gesprintet und hätte gesagt: na warte, Dir zeig ich´s! Da ich aber ausgemacht hatte, mit einer (Trainings-)Freundin zusammen zu laufen und sie mich immer wieder ermahnen musste, nicht zu schnell zu sein, wurde ich irgendwann wieder vernünftig. Schließlich lagen noch 42 km vor uns, die irgendwie bewältigt werden wollten. Es war ziemlich anstrengend, da die vielen „langsameren“ Menschen, die wir ständig überholen mussten, den Lauffluss sehr behinderten. Ich habe mir sehr gewünscht, weiter vorne hätte starten zu dürfen. Die ersten 20 km vergingen wie im Flug! Es waren so unglaublich viele Zuschauer an der Laufstrecke, die uns alle anfeuerten, Bands, die riesig Stimmung machten in allen erdenklichen Musikrichtungen, und natürlich die vielen Sehenswürdigkeiten, die wir während des Laufes passierten. Meine Pace entsprach bis dahin einem GA1 Trainingslauf, was natürlich keine motivierenden Zwischenzeiten mit sich brachte. Allerdings war das ja nur zweitrangig, weil wir zusammenlaufen wollten und ich mir meine Kraft für den Moment, wenn der berühmte Mann mit dem Hammer kommt, aufheben wollte. An der nächsten Verpflegungsstelle bei ca. km24 verlor ich leider meine Mitläuferin. Ich lief noch eine Zeit lang langsamer und versuchte, sie wieder zu finden, aber es waren einfach zu viele Menschen. Dann nahm ich mein Tempo wieder auf und km 26-30 wurden zu einem echten Kampf. Obwohl es mir körperlich gut ging, mein Kopf hatte keine Lust mehr und ich zog mich selber von km zu km. Am km 30 befand sich eine Motivationszone mit vielen Menschen und guter Musik und die magische Zahl 30 machte es für mich wieder leichter, denn ich sagte mir, es sind nur noch 10 km (die 1,195km unterschlug ich mal…). Es ging also wieder aufwärts. Die letzte Salztablette eingeworfen, fand ich wieder Spaß am Laufen und zählte ab sofort die km rückwärts. Bei km 32 erspähte ich den Freund meiner Mitläuferin, der mich anfeuerte, was mir nochmal Motivation brachte. 3 km später bekam ich plötzlich Schmerzen an meiner „Schwachstelle“ dem linken Unterschenkel. Ich dachte, nein – jetzt nicht – ich bin gleich da. Und somit strich ich den kurz aufflammenden Gedanken, eine Gehpause einzulegen, sofort wieder. Die Pace wurde langsamer, dafür die Zuschauer immer besser. Sie riefen die Namen der Läufer und dass wir es bald geschafft hatten. Viele Läufer waren schon an ihrem Limit und schleppten sich mühsam vorwärts. Ich konnte immer noch Läufer überholen und lief einfach immer weiter. Bis km 40 war es noch mal sehr anstrengend, vor allem nicht zu sehr zu verkrampfen beim Laufen. Danach war das Ziel in greifbarer Nähe. Die letzten zwei km konnte ich nochmal beschleunigen, da ich mir vornahm, wenigstens unter 4 Std zu finishen. Es war ein wunderbares Gefühl, getragen von dem Applaus der vielen Menschen durch das Brandenburger Tor laufen zu dürfen. Erst dachte ich, das wäre bereits das Ziel und wollte stehenbleiben, bis ich entdeckte, dass sich dieses noch 200m weiter befand. Mit einer endgültigen Zeit von 03:57:40 Std lief ich ins Ziel.

Der runners high Glücksmoment blieb jedoch erstmal aus. Ich war etwas unzufrieden, weil ich zum einen viel schneller hätte laufen können, zum anderen aber gerne mit Fahnie zusammen gefinished hätte. Nachdem ich etwas getrunken und gegessen hatte, frisch geduscht war und mich mit den anderen Läufern über deren grandiosen Erfolge (ganz besonders über die fantastische Zeit meines Schützlings) freuen konnte, sah die Welt schon wieder ein bisschen besser aus und etwas später überwog auch der Stolz über meine Leistung und darüber – einen Marathon gelaufen zu sein!

2 Gedanken zu “Berlin Marathon – mein erster Marathon

  1. Erster Marathon, erstes Finish und nur das zählt! Sicher kannst du mehr, wenn man sich deine Zeiten auf den Unterdistanzen anschaut, aber dazu wird es noch genug Gelegenheiten geben! Herzlichen Glückwunsch, auch an Stefanie! habt ihr toll gemacht in Berlin!

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